Rollator auf Rezept: Zuzahlung gesetzlicher Krankenkassen

Es gibt durchaus einige Regeln für die Zuzahlung der gesetzlichen Krankenkassen und für den Erhalt eines Rollator auf Rezept zu beachten. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag wie und beantworten die wichtigsten Fragen hierzu.

Wird mir ein Rollator von der Krankenkasse bezahlt?

Rollatoren finden sich unter der Bezeichnung fahrbare Gehhilfen im Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung und können somit auf Rezept erhalten werden. Sie fallen damit unter die Leistungspflicht Ihrer Kasse.

Im Verzeichnis können Sie anhand der Hilfsmittelnummer des jeweiligen Modells feststellen, ob die Kosten für eine Gehhilfe ganz oder teilweise übernommen werden. Dies ist beispielsweise wichtig, wenn sie das Hilfsmittel bei einem Online-Händler beziehen, der nicht selbst mit der Krankenversicherung abrechnen kann.

Wie erhalte ich einen Rollator auf Rezept von der Krankenkasse?

Rollator Kostenübernahme der Krankenkassen auf Rezept

Wenn Sie einen Rollator auf Rezept benötigen, erhalten Sie eine entsprechende Verordnung von Ihrem Hausarzt.

Abhängig davon, ob Sie Mitglied der Techniker Krankenkasse, einer BKK oder einer Innungskasse sind, ist die weitere Vorgehensweise unterschiedlich geregelt – erkundigen Sie sich zur Sicherheit bei Ihrer Kasse.

Entweder müssen Sie das Rezept zunächst dort einreichen und eine Bewilligung abwarten, oder können damit direkt zu einem Vertragspartner in der Nähe gehen. Deren Angebote können sich unterscheiden. In vielen Fällen übernimmt der Vertragspartner die Abrechnung mit Ihrer Krankenversicherung und kümmert sich um alle Formalitäten.

Ihre gesetzliche Versicherung erstattet Ihnen die Aufwendungen für ein so genanntes Standardmodell. Es wird Ihnen in der Regel nur leihweise für die Dauer von drei bis fünf Jahren zur Verfügung gestellt. Nach Ablauf dieses Zeitraumes ist ein neues Rezept erforderlich.

Für Schäden am Kassenmodell können Sie als Nutzer unter Umständen in Anspruch genommen werden. Eine Gehhilfe auf Rezept ist an die Krankenversicherung zurückzugeben, wenn sie nicht mehr benötigt wird.

Was zahlen AOK, TK und andere Krankenkassen für einen Rollator?

Die Höhe der gesetzlichen Zuzahlung beträgt 10 Prozent, mindestens jedoch 5 Euro und maximal 10 Euro. Der Zuzahlungsbetrag ist an den Vertragspartner zu entrichten. Sofern Sie sich für ein höherwertiges Modellen entscheiden, übernimmt die Kasse nur die Kosten für das Standardmodell. Die Höhe dieser Versorgungspauschale fällt sowohl von Kasse zu Kasse als auch von Modell zu Modell unterschiedlich aus.

Der Vertragspartner muss Ihnen mindestens ein Modell zum Standardpreis anbieten. Der Versicherte hat keinen Einfluss auf Modell und Farbe. Es kann sich auch um ein gebrauchtes Hilfsmittel aus dem Lagerbestand der Krankenkasse handeln. Unabhängig davon sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Hausarzt ergründen, welches Modell am besten für Sie geeignet ist.

Falls der Arzt die medizinische Notwendigkeit für eine hochwertigere Variante oder eine Sonderausstattung im Rezept begründet, kann die Kasse Ihnen einen höheren Zuschuss bewilligen. Wenn Ihr Arzt beispielsweise ein leichteres Modell für medizinisch erforderlich hält, sollte er das maximal zumutbare Gewicht auf der Verordnung angeben.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass AOK, Barmer, DAK und andere Kassen Aufwendungen für die Wartung und Reparatur des Hilfsmittels nur übernehmen, wenn die Gehhilfe Eigentum der Kasse bleibt und Ihnen nur leihweise überlassen wird.

Ein Tipp: Wenn Ihre Zuzahlungen die jährliche Belastungsgrenze von 2 Prozent Ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen überschreiten, kommt für den übersteigenden Betrag eine Befreiung von der Zuzahlung in Betracht. Für chronisch kranke Personen sinkt dieser Grenzwert auf 1 Prozent des Jahreseinkommens.

Welche Arten von Rollatoren gibt es?

Standardmodelle zum Preis zwischen 60 und 100 Euro* bestehen aus robustem Stahl und kommen in der Regel bei altersbedingten Einschränkung der Mobilität zum Einsatz. Es handelt sich um eine Einheitsgröße mit einer Sitzhöhe von 60 Zentimetern. Weitere Ausstattungsmerkmale sind

  • höhenverstellbare Handgriffe
  • Kunststoffsitz
  • Bremsen
  • Tasche und Abstellfläche
  • Einkaufskorb und Tablett als Ablage
  • Stockhalter

Standardmodelle weisen ein Gewicht von etwa 10 Kilogramm auf und erfordern deshalb mehr Kraftaufwand für die Fortbewegung, beim Einsteigen in Bus und Bahn und beim Verstauen.

Sie sind meist bis zu 130 Kilogramm belastbar und für innen und außen gleichermaßen geeignet. Als Querfalter lassen Sie sich zusammenklappen, beanspruchen in dieser Form jedoch nicht wesentlich weniger Platz.

Leichtgewichtrollatoren bestehen im Gegensatz zum Standardmodell nicht aus Stahl, sondern aus Aluminium oder Carbon. Ihr Gewicht liegt meist um 7 Kilogramm. Als Längsfalter mit einem Sitz aus Gewebestoff stehen sie in zusammengefaltetem Zustand von alleine und bieten dem Nutzer zusätzlich eine Stützfunktion.

Daneben finden Sie im Handel stabile Außenrollatoren mit robusteren und stoßgedämpften Rädern. Die breiteren Reifen verkomplizieren Wendemanöver und sind aus diesem Grund für Innenbereiche weniger geeignet.

Schmal gebaute Innenrollatoren ohne Sitz und mit kleinen Rädern sind für den Wohnbereich vorgesehen. Daneben finden Sie im Angebot einige Sonderausführungen, wie beispielsweise

  • Gehhilfen mit Auflagen für die Unterarme
  • XXL-Rollatoren für Menschen bis 200 Kilogramm oder besonders große Personen
  • Kombi- oder Hybridmodelle, die sich in einen Rollstuhl umwandeln lassen
  • Varianten mit elektrischem Antrieb, die sich an der Steckdose aufladen lassen

Falls Sie Wert auf ein schönes und ansprechendes Design legen, bieten Ihnen manche Hersteller die Wahl zwischen verschiedenen Designs oder Ausführungen. Einen Rollator von Bischoff & Bischoff erhalten Sie beispielsweise in vielen verschiedenen Farbtönen.

Welche Einschränkungen können die Notwendigkeit eines besseren Modells begründen?

Folgende Einschränkungen können eine medizinische Notwendigkeit für einen qualitativ besseren Rollator begründen:

  • Neurologische Erkrankungen (gebremste Voreinstellung)
  • Muskel- und Gelenkerkrankungen (gedämpftes Modell)
  • Atemnot (leichter Carbon Rollator)
  • Multiple Sklerose (Kombimodell)
  • Hohes Übergewicht (XXL-Modell)
  • Arthritis (hohe Griffe und Ablage für Unterarme)

Bei der Ausstellung des Rezeptes sollte der Hausarzt auch auf die Vorstellungen seines Patienten Rücksicht nehmen, denn das Hilfsmittel muss vom Nutzer auch akzeptiert werden, damit er es in Zukunft tatsächlich nutzt. Zudem ist es erforderlich, die Bedienung zunächst zu erproben.

Was macht einen guten Rollator aus?

Gute Rollatoren für Senioren zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • leichte Manövrierbarkeit
  • verstellbare und ergonomisch geformte Griffe
  • sichere Feststellbremsen
  • Ankipphilfe für die Bewältigung von Hindernissen
  • Reflektoren und Leuchtbänder
  • zusätzlicher Rückengurt für die Sitzfläche
  • Tasche für Wertsachen

Das Hilfsmittel sollte sich mit wenigen Handgriffen und ohne Verletzungsgefahr zusammenfalten lassen. Manche Modelle bieten darüber hinaus noch zusätzliche Extras, wie beispielsweise:

  • Diebstahlsicherung
  • Beleuchtung und Klingel
  • höhenverstellbare Sitze
  • Rückenlehne
  • Regenschirm mit Halterung
  • Sitzpolster

Im März 2019 bewerteten Senioren die Alltagstauglichkeit von Rollatoren im Auftrag der Stiftung Warentest. Die gut bewerteten Testsieger mit Preisen zwischen 300 und 400 Euro bestehen aus Aluminium und Carbon: Russka Vital Carbon und Topro Troja 2G Premium. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet das Modell Dietz Taima M-GT zum Preis von 200 Euro und einem Gewicht von unter 6 Kilogramm.

Nach Erkenntnis der Stiftung Warentest eigenen sich Standardmodelle aus Stahl nur für den Innenbereich, während sich die Verwendung im Freien oft als mühselig erweist.

Wo kann ich einen Rollator online kaufen?

Sie können die Hilfsmittel entweder im Sanitätshaus oder online erhalten. Oftmals ist ein Rollator im Internet günstiger erhältlich als im stationären Handel. Allerdings ist nicht jeder Online-Shop Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen.

Manche Händler reichen das Rezept auf elektronischem Weg bei Ihrer Kasse ein und klären die Kostenübernahme mit der Krankenversicherung ab.

Die Ersparnis bei einem Kauf im Internet fällt meist höher aus als eine mögliche Zuzahlung durch die Krankenkasse. Zudem finden Sie online ein umfangreicheres Angebot und können Preis besser miteinander vergleichen.

Amazon bietet Ihnen beispielsweise eine breite Auswahl an verschiedenen Modellen und Zubehör der Firma Russka, Leichtgewichtvarianten von Dietz oder günstige Angebote von NRS Healthcare. Auch bei vielen anderen Handelsplattformen und Online-Sanitätshäusern können Sie Rollatoren kaufen*.

Achten Sie beim Onlinekauf auf folgende Punkte:

  • Muss die Gehhilfe noch montiert werden?
  • Gibt es eine fachgerechte telefonische Beratung und Einweisung?
  • Wird ein Reparaturservice angeboten?
  • Welche Garantiebedingungen bietet der Händler?

Selbstverständlich sollten neben Zubehör* auch Ersatzteile erhältlich sein, um zum Beispiel einen Austausch von Verschleißteilen wie Bremsen und Rädern zu ermöglichen.

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